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Poldi – ein Münchener im Kölner Himmel

September 20, 2008

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Lukas Podolski bleibt nach seinem Tor zum 3:0 auf dem Boden liegen und jubelt nicht. (Bild: dpa)
-Text- von Hermann Josef Weskamp -
Es geschah am helllichten Tage. Tausende Kölner Fußballfreunde, die seit Jahren nicht müde werden, ihrem „FC Kölle“ im Dreivierteltakt zu schwören, mit ihm im Notfall „durch et Füer“ zu gehen, feierten beim Spiel gegen den FC Bayern in schlichter Ausblendung der Wirklichkeit einen gegnerischen Torschützen, als sei er immer noch einer der ihren. Einmol Prinz zo sinn … Die Reaktionen auf den Vorgang reichten von Beifall über Bewunderung bis Belustigung und Fassungslosigkeit.
Die FAZ kommentiere die bemerkenswerten Vorgänge im RheinEnergieStadion it leisem Spott: „Eigentlich hätte Lukas Podolski auch in einem festlich geschmückten Wagen durch das STadion rollen und Kamelle unters Vok streuen können, so ausgelassen war die Stimmung.“ Und die Süddeutsche Zeitung fragte (unter der Überschrift „Fröhlicher Irrealismus oder: Die Macht der Gefühle“) einfach mal nach: „Darf an einem Spieler der gegnerischen Mannschaft während der Partie so haltlos zujubeln?
Selbst dann, wenn es ein Kölner in der Verkleidung eines Münchners ist ?“ Darf man nicht, sagten einige „Geißbock“-Kicker und äußerten pikiert Unverständnis für die verkehrte Welt. „Wir reißen uns bis zum Schluss den Hintern auf, u noch irgendwie heranzukommen, „klagte FC-Spielführer Novakovic konsterniert, „und dann kassiest du ein Gegentor und das ganze Stadion applaudiert“. „Dat jitt et nur bei uns he en Kölle“, sag einst der ausgewiesene FC-Anhänger Gpnter Eilemann.
Der Dachverband der aktiven FC-Fanclubs sah sich daraufhin veranlasst, in eine offenen Brief die Emotionen an der falschen Stelle als Ausreißer einiger verwirrter Liebhaber der Prinzenrolle darzustellen: „Wir haben absolut kein Verständnis für diesen Torjubel. … Wir rufen alle FC-Fans auf, in Zukunft ohre Stimme und ihre Unterstützung voll und ganz in den Dienst der Mannschaft zu stellen.“
Ein Tor, wer glaubt, Tor sei Tor, wenn es nur der kölsche Poldi erzielt. Wo kommen wir denn hin, wen jeder, der das FC-Logo im Herzen und auf der Zunge trägt, dem Geißbock unter Beifall der Massen die Punkte klauen darf? So funktioniert Fußball nicht.
Es ist etwas anderes, dass der Kölner allzu gern seine Gefühle auslebt und im Zweifelsfall eine Sache bedingungslos um ihrer selbst liebt. Auch mag er es überhaupt nicht, seine Zuneigung teilen oder Verhältnissen anpassen zu müssen. Wen er einmal derart ins Herz geschlossen hat, der darf sich ruhig schon mal was rausnehmen.
Es ist in diesem Zusammenhang noch anzumerken, dass zum allseits bewunderten Laissez-faire des Kölners auch seine Leichtigkeit im Umgang mit kurzfristigen Zielen zählt. Der Berliner Schauspieler Christian Ulmen („Herr Lehmann“), der in jungen Jahren stark dem 1.FC Köln zuneigte und nun im Umgang mit Hertha eine unerfüllte Liebe pflegt, hat unlängst in eine Interview mit Welt online folgenden sinnfäligen Hinweis gegeben: „Der Regisseur Peter Zadek hat mal erzält, dass er nie wieder in Köln inszenieren möchte. Er meinte: „Wenn die Vorstellung nicht gut waren, sind die Schauspieler fröhlich in die Kneipe gegangen und haben gesagt: Och, das wird schon besser bei nächsten al. Waren wir alle gut? Klar waren wir gut.“